Rekordverdächtige Internet-Nutzung vor den Parlamentswahlen 1999

Hauptergebnis einer Repräsentativ-Befragung des GfS-Forschungsinstituts zu "Internet und Wahlkampf"

Claude Longchamp

Claude Longchamp,
Politikwissenschafter, Co-Leiter des GfS-Forschungsinstituts

Schon über 100'000 SchweizerInnen haben für ihre Meinungsbildung zu den kommenden Nationalratswahlen Internet verwendet. Die höchste Nutzung ergibt sich bei den voraussichtlichen WählerInnen der FDP, wo jede(r) Neunte von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht hat. Internet als Medium des Wahlkampfes ist vorwiegend eine Erscheinung der deutschsprachigen Schweiz, wie die erste Nutzungsstudie des Internet im Wahlkampf 99 ergibt.

Was sich in anderen Ländern seit Mitte der 90er Jahre abzeichnet, dürfte auch für die Schweiz eintreffen: Die Verwendung von Internet zu politischen Zwecken nimmt während der ersten Präsidentschafts- oder Parlamentswahl im "Internet-Zeitalter" sowohl angebots- wie auch nachfrageseitig zu.

Nachfrage grösser als bei allen Volksabstimmungen bisher

In der Schweiz konnte 1998 bei der Volksabstimmung über die Genschutz-Initiative 5 Prozent der Abstimmenden die bisher grösste Nachfrage nach politischen Internet-Angeboten nachgewiesen werden. Einen Monat vor den kommenden Parlamentserneuerung ist dieser Wert während des laufenden Wahlkampfes gemäss einer Repräsentativ-Befragung des GfS-Forschungsinstitut bei 776 Wahlberechtigten mit einer Absicht, an den Wahlen 1999 teilzunehmen, bereits erreicht. Gegenüber den Volksabstimmungen von 1999, bei denen jeweils rund 3 Prozent Internet nutzten, ist eine Verdoppelung der Personen denkbar, welche dieses neue Medium zu politischen Zwecken einsetzen.

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Die FDP-Wählerschaft mit der grössten Affinität zu Internet

Der absolut höchste Anteil finden sich bei voraussichtlichen FDP-WählerInnen. 11 Prozent von ihnen haben sich mindestens einmal über das elektronische Netz zu den National- oder Ständeratswahlen informiert. Bei der SPS, der SVP und der CVP sind es je 7 Prozent der Personen, die momentan eine der genannten Parteien wählen würden.

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Ein Grund für den Vorsprung der Freisinnigen ist ihre Affinität zu einer der wichtigsten gesellschaftlichen Trendgruppe in der Internet-Nutzung: Bei Personen mit mehr als 9000 CHF Haushaltseinkommen im Monat fragen gegenwärtig 10 Prozent politische Internet-Angebote nach, während es bei einem Verdienst von bis zu 3000 CHF monatlich gerade 3 Prozent sind. Nach wie vor entscheidend ist für die Internet-Nutzung ist die Erwerbstätigkeit resp. der Zugang zum Medium via den Arbeitsplatz.

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Sprachbarrieren bleiben wirksam

Die Internet-Nutzung hängt aber auch der Angebotsstruktur ab, die in der deutschsprachigen Schweiz deutlich vielfältiger ist als in den lateinischsprachigen Landesteilen. Zwar spielt der Regionalbezug für die Nutzung nur eine beschränkt förderliche Rolle, doch bleiben die Sprachbarrieren wirksam. Entsprechend sind die Anteile an NutzerInnen in der Romandie und im Tessin 3 bis 4 Mal unter jenen in der alemannischen Schweiz.

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Nicht nur Jugendliche auf Polit-Sites aktiv

Häufiger mit politischem Interesse im Netz sind Personen unter 60 Jahren und Männer. Eine Reduktion der hauptsächlichen Zielgruppe für Politikangebote auf "Jugendliche" ist aber angesichts der Entwicklung, welche die Internet-Verwendung in Wahl- und Abstimmungskämpfe macht, nicht zutreffend.

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Von den eigentlichen Prioniergruppen in der Internet-Nutzung entwickelt sich diese Richtung der NachahmerInnen, zu denen vermehrt die 30-60jährigen und wachsend auch Frauen zählen.

Grafik 6

Eine Übersicht über die Informationsangebote zu den Parlamentswahlen auf dem Web findet sich unter www.polittrends.ch/wahlen, wo rund 130 Links verzeichnet sind.