Ausgangslage für die Pro-Seite besser

Hauptergebnis der GfS-Repräsentativ-Befragung zum Stand der Stimmabsichten bei der "FinÖV"-Vorlage

Projektleitung, Claude Longchamp, Co-Leiter des GfS-Forschungsinstituts

50 Prozent der stimmberechtigten Personen, die bis am 29. November über die FinÖV-Vorlage mitentscheiden wollen, beabsichtigen, der Vorlage zuzustimmen, 19 Prozent lehnen sie ausdrücklich ab. 31 Prozent der teilnahmewilligen Personen machen keine direkte Angabe zu ihren Stimmabsichten. Sie geben den Ausschlag, ob die Vorlage von Volk und Ständen angenommen wird. Die Ausgangslage für die BefürworterInnen ist drei Wochen vor dem Urnengang besser als für die Gegnerschaft.

38 Prozent der befragten Stimmberechtigten können sich erinnern, schon irgend etwas vom Abstimmungskampf zur "FinÖV"-Vorlage gesehen zu haben. 57 Prozent von ihnen gehen davon aus, dass sie in der Volksabstimmung angenommen wird, 22 Prozent rechnen mit dem Gegenteil. Es besteht demnach eine ein mehrheitliche Erwartung in Richtung Annahme.

Würde heute schon entschieden, käme es zu einer mittleren Beteiligung von zirka 45 Prozent. Bezieht man sich auf jene Personen, die effektiv mitentscheiden wollen, sind gemäss "Sonntagsfrage"

FinÖV-Stimmabsichten

30 Prozent sind unentschieden oder machen keine Angabe (1%).

Bei einer stark steigenden Beteiligung nähme die Unsicherheit des Abstimmungsausgangs zu. Würden heute alle Stimmberechtigten mitentscheiden, wäre die Ausgangslage für die Vorlage viel offener. Dafür wären 38 Prozent der StimmbürgerInnen, unentschieden 43 Prozent, und 19 Prozent befänden sich auch hier dezidiert auf der ablehnenden Seite.

In den einzelnen Bevölkerungsgruppen sind teilweise gegensätzliche Mehrheiten ersichtlich. Eine klare Zustimmung zeichnen sich an der Basis der SPS ab; mehrheitlich dafür sind aber auch die Anhängerschaften der CVP und der FDP, während bei der SVP-Basis nur eine Minderheit "Ja" sagen würde. Zwei Drittel der Romand(e)s würden für die "FinÖV"-Vorlage votieren, aber auch die grossen Agglomerationen in der deutschsprachigen Schweiz sind heute mehrheitlich dafür. Vermehrt für die Vorlage sind vor allem auch Personen mit einem überdurchschnittlichen Einkommen. Deutlich geringer erscheint die Vorlagenunterstützung namentlich in den ländlichen Gebieten.

Das Konfliktmuster, das sich abzeichnet, ist prinzipiell mit jenem vergleichbar, das man aus Vergleichsabstimmungen im Verkehrsbereich kennt. Demnach sind Schichtunterschiede, die Differenzierung der Sprachregionen und nach Parteibindungen die wichtigsten erklärenden Variablen des Abstimmungsverhaltens. Diesmal kommt offenbar eine stärkere Differenzierung zwischen Stadt und Land hinzu.

Angesichts der Fallzahl sind zuverlässige Aussagen über das Ständemehr, das bei der Abstimmung ebenfalls erforderlich sein wird, nicht möglich.

Technische Daten

Die Repräsentativ-Befragung des GfS-Forschungsinstituts wurde zwischen dem 28.10. und dem 4.11. durchgeführt. Die Erhebung geschah mittel computergestützten telefonischen Interviews bei 1024 Stimmberechtigen. Die Resultate sind eine Momentaufnahme vor der Schlussphase der Kampagne.