Publikation 15.7.2000
Wäre schon Anfangs Juli über die 18%-Initiative abgestimmt worden, hätten sich 40% dafür und 42% dagegen ausgesprochen. 17% aller Befragten mit Stimmabsicht zeigen sich dagegen noch unentschlossen. Diese knappe Ausgangslage ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass die Frauen mit 43% der Initiative mehrheitlich zustimmen. Dies sind die Hauptergebnisse der Repräsentativ-Befragung von SF DRS, die vom 3. bis 12. Juli 2000 bei 1426 stimmberechtigten Personen in der ganz Schweiz vom GfS-Forschungsinstitut erstellt worden ist.
Damit präsentiert sich die Ausgangslage rund 2 Monate vor der Abstimmung offen. Sowohl die Initianten als auch deren Gegner haben es durchaus in der Hand das Abstimmungsergebnis zu ihren Gunsten zu beeinflussen.
Klar am meisten Unterstützung erhält die Initiative aus dem SVP Lager. 59% aller SVP-Wähler würden im Moment eine "Ja"-Stimme an die Urne bringen. Verwerfen würden die Vorlage im Moment die anderen drei Regierungsparteien, allerdings mit unterschiedlicher Prägnanz: Die CVP mit 45%, die FDP mit 49% und die SP mit 60%.
Demnach treten sowohl die SP als auch die SVP wieder einmal markant polarisiert auf, wobei die übrigen bürgerlichen Parteien in ihrem Stimmverhalten klar der SP ähneln.
Die Überrepräsentierung der italienischen Schweiz erlaubt auch, Aussagen zur Stimmabsicht in allen drei Landesteilen zu machen. Hier lässt sich folgendes Stimmverhalten erkennen.
Grosse Unterscheide gibt es zwischen den Landesteilen nicht. Die Zustimmung stimmt mit Werten zwischen 42% und 38% mit dem nationalen Mittel von 40% überein. Die französischsprachige Schweiz weist aber eine gegenüber dem nationalen Mittel überdurchschnittliche Ablehnung der Initiative auf. Gerade umgekehrt präsentiert sich die Lage in der italienischsprachigen Schweiz: Eine unterdurchschnittliche Anzahl Initiativgegner geht einher mit einer überdurchschnittlichen grossen Anzahl Unentschiedener. Dies weist darauf hin, dass die stimmbildende Kommunikation in den einzelnen Sprachregionen unterschiedlich weit fortgeschritten ist. Während eine solche Kommunikation in der französischsprachigen Schweiz überdurchschnittlich wäre, zeigt sie sich in der italienischsprachigen Schweiz eher unterdurchschnittlich.
Erstaunlich erscheint aber vor allem die erhöhte Zustimmung der Frauen (43%) gegenüber den Männern (38%), welche ihrerseits im Gegenzug die Initiative in der Mehrheit ablehnen (52% zu 32% bei den Frauen).
Dies erstaunt um so mehr, wenn man das Stimmverhalten der Frauen mit demselben aus früheren gleichgelagerten Abstimmungen vergleicht. So wiesen gerade die Frauen sowohl bei der erleichterten Einbürgerung junger Ausländer '94 als auch bei der Volksinitiative "für die Begrenzung der Einwanderung" '89 ein tendenziell eher ausländerfreundliches Abstimmungsverhalten auf.
Die übrigen Merkmalsgruppen verhalten sich in etwa den Erwartungen entsprechend. So ist die Zustimmung zur Initiative steigend mit zunehmendem Alter: Während sich die 18-39 Jährigen mehrheitlich gegen die Initiative aussprechen (52% dagegen), stimmen die über 65 Jährigen mit vergleichbarere Vehemenz zu (50% Zustimmung). Die gleiche Parallelität lässt sich auch zwischen Bildung und Abstimmungsverhalten treffen: je tiefer die Bildung, desto klarer die Zustimmung zur 18%-Initiative (Bildung tief, Zustimmung 56%, Bildung mittel 45%, Bildung hoch 25%). Überdurchschnittliche Zustimmung haben auch Einkommen unter 5000.-, während Einkommen darüber unterdurchschnittlich zustimmen. Keinen erkennbaren Einfluss scheint die Siedlungsart zu haben. So lässt sich zwischen Stadt und Land kein unterschiedliches Stimmverhalten nachweisen.
Ebenso offen präsentiert sich die Einschätzung des Abstimmungsausgangs. Während 38% mit einer Ablehnung rechnen, glauben 43% eher an eine Zustimmung. 19% können und wollen sich nicht festlegen. Im Gegensatz zur individuellen Stimmabsicht halten die Befragten ein Zustimmung zur Initiative leicht wahrscheinlicher. Der Unterschied ist aber zu klein, um daraus einen Trend abzuleiten.
Welchen Stellenwert ein Thema in der Bevölkerung geniesst, sieht man nicht zuletzt auch an der geäusserten Teilnahmeabsicht. Eine grosse Mehrheit von 51% tun ihre gefestigte Teilnahmeabsicht kund, während zusätzlich noch 24% eine solche zumindest für wahrscheinlich halten. Nur 18% lassen sich eher nicht (10%) oder gar nicht (8%) zu einer Teilnahme bewegen.
Bei einer Zustimmung zur Initiative rechnen die befragten Personen mehrheitlich mit sinkender Kriminalität und einer Verringerung der Überfremdung in der Schweiz. Durch ein Annahme der 18%-Initiative verbinden sie im weiteren weder einen Imageschaden für die Schweiz noch rechnen sie mit einer Bremsung des konjunkturellen Aufschwungs. Die Befragten rechnen also mit mehrheitlich positiven Konsequenzen einer Zustimmung zur 18%-Initiative.
Die Befragung wurde vom GfS-Forschungsinstitut zwischen dem 3. und 12. Juli durchgeführt. Basis bildet die stimmberechtigten BürgerInnen in der Schweiz. Daraus wurde eine Zufallsauswahl von 1426 Personen über 18 Jahren ermittelt, die ein repräsentatives Abbild der Stimmberechtigten ergibt. Der statistische Fehler bei der genannten Stichprobengrösse beträgt +/- 2,6%. Die Befragung selber fand mittels computergestützter, telefonischer Interviews statt. Ursprünglich waren Personen aus der italienischsprachigen Schweiz in der Stichprobe überrepräsentiert (N=215); damit Hauptaussagen auch hierzu möglich sind; für gesamtschweizerische Aussagen wurde der Effekt mit einer Gewichtung wieder ausgeglichen. Fragen zu den Stimmabsichten beziehen sich nur auf Personen mit einer gefestigten Teilnahmeabsicht (n=730), während sich die übrigen Prozentangaben auf die Stimmberechtigten beziehen. Vergleiche der Ergebnisse aus unserer Befragung sind nur mit jenen möglich, welche exakt die gleiche Fragestellung und eine vergleichbare Stichprobengrösse aufweisen. In Bezug auf die Stichprobengrösse gilt allgemein:
| Statistischer Stichprobenfehler | ||
| Stichprobengrösse | Fehlerquote Basisverteilung | |
| 50:50 | 20:80 | |
| N=1400 | 2.6% | 2.2% |
| N=730 | 3.6% | 2.8% |
| N=100 | 10.0% | 8.1% |
| Lesebeispiel: Bei 730 Befragten und einem ausgewiesen Wert von 50 Prozent liegt der effektive Wert (mit 95prozentiger Wahrscheinlichkeit) zwischen 50 % +/- 3,6 Prozent, bei einem Basiswert von 20 Prozent zwischen 20 % +/- 2,8 %. | ||
SWISS INTERVIEW Richtlinien:
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